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Von oben...

Geschrieben von Wassilissa, 25 Juni 2012 · 621 Aufrufe

Lesen Yak
Einen RVO oder sowas habe ich, zumindest meiner Erinnerung nach, noch nie gestrickt. Oder es ist schon lange her. Dabei könnte ich mir vorstellen, dass Topdown sehr interessant zu stricken ist und man die Passform auch immer sofort kontrollieren kann.
Also mache ich das jetzt.
Ich stricke eine Weste, die wird oben angefangen, dann muss man allerdings aufhören, weil eine Passe reinkommt, dann geht es weiter.
Es handelt sich um die Jacke Hope (#34) aus der Winter-Verena 2010. Das verwendete Garn, Yak von Lang, konnte ich in anthrazit nirgends bekommen.
Auch andere Töne, die mir gefallen hätten, gab es nicht. So habe ich mich für grün, Farbton 98, entschieden. Immerhin meinte mein Mann gestern, als er mich so stricken sah "Schöne Farbe". Vielleicht sollte ich echt öfter mal Mut zu Farbe haben. Die Farben der Yak sind ja insgesamt recht gedämpft. Das Garn mag ich bis jetzt ganz gern verstricken, fühlt sich gut an, hat einen schönen Griff.
Eingefügtes Bild
Nur mein eigener Kopf funktioniert nicht immer... In Reihe 4 und 27 soll man ein Knopfloch einstricken. Reihe 4 war problemlos, dann stricke ich also bis Reihe 26, höre dann aber auf und nehme mir vor, beim nächsten Mal stricken gleich das Knopfloch einzustricken. Das nächste Mal kommt, ich stricke munter weiter und erst, als ich die Passenhöhe erreicht habe und abmesse, denke ich wieder an das Knopfloch. Dass ich außerdem die Maschenzahl für die größte Größe (48/50) gestrickt habe, fällt da schon kaum noch ins Gewicht. Da war ribbeln angesagt und nun geht es wieder von vorne los, diesmal habe ich allerdings nicht aufgehört, bevor das Knopfloch drin war.

Der schöne Sommer ist heute erst mal vorbei, heute nacht hat es wahnsinnig geregnet und es hat abgekühlt. Aber wenigstens war das Wochenende schön!
Ein bisschen was habe ich auch gelesen:
Raum von Emma Donnoghue:
Das Buch erzählt die Geschichte des fünfjährigen Jack, der mit seiner Mutter in einem schalldicht isolierten Gartenschuppen lebt, wo sie von Old Nick gefangen gehalten werden. Die Mutter war sieben Jahre zuvor entführt woren, den Jungen hatte sie in der Gefangenschaft geboren.
Das Buch ist zunächst beklemmend, verliert aber durch Handlung und Stil das Schreckliche. Es lässt sich eigentlich leicht lesen, obwohl die Grundgeschichte natürlich schrecklich ist. Aber für Jack ist es das einzige Leben, das er kennt und es ist für ihn das normale Leben, in dem er glücklich ist. Das Buch liefert viel Stoff zum Nachdenken. Am interessantesten fand ich zunächst die Überlebensstrategien im Raum, wie die Mutter das Leben, den Tag mit Jack gestaltet, was sie ihm beibringt, wie sie miteinander umgehen. Den zweiten Teil fand ich zunächst nicht so gut gemacht (wenn auch natürlich interessant). Je mehr ich aber über den zweiten Teil nachdenke, desto mehr eröffnet sich mir: Wie der Raum Jacks Heimat ist, wie er das einzige ist, das er kennt. Wie die Mutter im Raum so ganz Mutter ist (sie wird im ganzen Buch nie mit Namen genannt, immer Ma), wie sie aber außerhalb des Raumes eine junge Frau ist, ein 25-jähriges Mädchen. Das finde ich sehr gut dargestellt am Beispiel des Stillens, das im Raum so wesentlich ist, außerhalb für viele aber befremdlich wirkt. Man macht sich Gedanken über die Familie der Mutter, die Eltern, den Bruder. Das Buch ist so schnell gelesen, bleibt aber lange in den Gedanken.
Vieles von den Gesprächen und Gedanken, von der Weltsicht gerade des zweiten Teils gehen mir noch lange nach.

Etwas leichtere Kost ist Chill mal, Frau Freitag
Frau Freitag beschreibt darin ihren Alltag als Lehrerin an einer Großstadt-Gesamtschule. Mir gefällt es, dass sie ihren Beruf und ihre Schüler mag, das sie nicht diesen Katastrophen-Blick aufhat, sondern einen normalen, liebevollen, engagierten Lehrerblick. Vielleicht ist das Buch nur für Lehrer oder Eltern interessant? Man kann ja mal einen Blick in Frau Freitags Blog werfen, aus dem das Buch entstanden ist. Zumindest das verlinkte Lied dürfte manchem alten Siebziger-Rockfan gefallen (so wie mir...). (Wiki gibt zu diesem Song noch interessante Infos: "Cooper has said he was inspired to write the song when answering the question, "What's the greatest three minutes of your life?". Cooper said: "There's two times during the year. One is Christmas morning, when you're just getting ready to open the presents. The greed factor is right there. The next one is the last three minutes of the last day of school when you're sitting there and it's like a slow fuse burning. I said, 'If we can catch that three minutes in a song, it's going to be so big.'")

Meine Lieblingsstelle aus dem Buch ist auch noch im Blogzu finden:
"Die Schüler haben ein neues Wort. Das Wort heißt: Knecht. Wer früher ein Opfer, ein Hund, eine Missgeburt oder ein Spast war ist heute ein Knecht. Gebraucht wird dieser Ausdruck einfach nur als eine Art Feststellung. Erol zu Mohamad: "Hakan glaubt, dass es World of Warkraft auf türkisch gibt." Mohamad: "Knecht." Oder Kevin zu Sabine: "Stefan geht zu Mathe." Sabine: "Knecht."

Nun könnte man denken, schön, dass die Schüler so alte deutsche Begrifflichkeiten wieder benutzen. Nach Knecht kommt vielleicht noch Magd, Abt oder Amme. Sind sie also endlich in Deutschland angekommen. Benutzen mittelalterliche Worte und merken es wahrscheinlich noch nicht mal. Ich vermute allerdings, dass sie gar nicht wissen, was ein Knecht ist. Leider habe ich sie noch gar nicht gefragt, aber ich bin schon sehr gespannt, was ich morgen als Definition angeboten bekomme.

Unsere Schüler haben nämlich leider die Angewohnheit Wörter zu sagen, deren Bedeutung sie nicht kennen, oder noch besser, deren Bedeutung sie völlig falsch deuten.

Eine der Lieblingsbeschimpfungen aller Schüler war ja die längste Zeit "Spast". Jedesmal, wenn ich das Wort hörte fragte ich die Schüler: "Weißt du denn was ein Spast ist?" und ich bekam immer die gleiche Antwort: "Ja, klar weiß ich das." "Na was denn?" "Ein Spast ist ein kleiner Vogel." Als ich das das erste mal hörte, habe ich mich innerlich totgelacht. Da steht ein riesiger arabischer Schüler vor mir, wahrscheinlich mit Totschläger und Messer in der Tasche und einer kiloschweren Schüler- und Polizeiakte und denkt im Ernst, ein Spast ist ein kleiner Vogel. Und das komische daran ist doch, dass er "kleiner Vogel" auch noch allen Ernstes als Schimpfwort benutzt.

"Soso, du denkst also Spast heißt kleiner Vogel….und meinst du wirklich, dass das so ein schlimmes Schimpfwort ist, dass sich darüber jemand ärgern würde?" Meistens fiel ihnen darauf dann nichts mehr ein und sie fragten dann nur etwas verunsichert: "Na, was heißt es denn?" "Na kleiner Vogel heißt es nicht. Und ich werde dir nicht sagen, was es heißt, aber benutze ruhig weiter Wörter, deren Bedeutung du nicht kennst…zeugt von unheimlicher Intelligenz." Damit lies ich sie dann stehen und wahrscheinlich flüsternen sie mir dann ein "Ist die häßlich." oder "Hurentochter!" hinterher. Was eine Hurentochter ist wissen sie alle.

Aber jetzt die große Preisfrage: Was denken die Schüler ist ein Knecht? Ein etwas größerer Vogel?"




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