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Buchtipps

Geschrieben von Wassilissa, 22 März 2012 · 544 Aufrufe

Lesen
Ohne Kamera kann ich nichts vom Stricken zeigen. Nicht, dass es viel zum Zeigen gäbe. Der graue Pullover mit Zopfmuster hat den Rücken und den halben Ärmel fertig, dazwischen habe ich aber nun Socken, und zwar normale ohne irgendwie Muster, aufgeschlagen, weil meine Socken alle absolut durchlöchert sind. Ich habe zwar letzte Woche eine Flicksession gemacht, aber im Wesentlichen kann ich die alle wegwerfen.

Da ich also vom Stricken nichts berichten kann, konzentriere ich mich auf mein anderes Kerngeschäft, das Lesen. Im März habe ich wunderbare Bücher gelesen, eines besser als das andere.
Noch ganz frisch im Kopf ist mir das gestern fertig gestellte: Dem Leben auf den Fersen: Zu Fuß von Flensburg nach Rom - die Geschichte meiner Reise zu mir selbst von Kurt Peipe. Kurt Peipe hat Darmkrebs im Endstadium und einen künstlichen Darmausgang. Da beschließt er, sich auf eine 3350 km lange Wanderung zu begeben, von Flensburg nach Rom.
Da er wenig Geld hat, trägt er ein kleines Zelt mit sich, eine Luftmatratze, einen Schlafsack, seine Utensilien zur Pflege des künstlichen Ausgangs. Und er schläft im Freien, in Gärten, bei Privatpersonen, die er anspricht. Körperlich kommt der Autor oft an seine Grenzen, ist von Anfang an extrem schwach. Seelisch wächst er über sich hinaus, lässt sich auf Begegnungen ein, stellt sich dem nahen Tod, lebt intensive Wandertage mit seinen Familienmitgliedern, die ihn abschnittweise begleiten, hält durch bis Rom.
Mittlerweile ist Kurt Peipe verstorben, dieses Buch aber ist ein grandioses Testament. Es ruft auf zu Menschlichkeit und Vertrauen, zu Zuversicht und Glauben und es zeigt, dass es möglich ist, einen eigenen Weg zu gehen.
Das ist wirklich ein tief beeindruckendes Buch, das ich sicher noch mehrfach verschenken werde.

Sehr gut gefallen hat mir Zweiunddieselbe von Mary Pearson.
Das ist eine ganz andere Geschichte, hat aber auch mit Tod und Leben, Medizin und Ethik zu tun, berührt sich also sogar streckenweise mit Kurt Peipe.
Jenna wacht nach dem Koma auf und kann sich an nichts erinnern. Das siebzehnjährige Mädchen muss mühsam ihr Leben wieder in die Hand nehmen. Doch schnell stellt sie fest, dass ihre Eltern ihr etwas vormachen und Dinge anders sind, als sie scheinen.
Das Buch spielt in der Zukunft, in der es möglich ist, menschliche Organe, Gliedmaßen, ja sogar das Gehirn nachzubauen. Jenna ist zum Großteil nicht mehr sie selbst.
Und das ist das Thema: Ethik der Medizin, Gott und Mensch, was ist erlaubt, was darf nicht erlaubt sein.
Ich fand das Buch großartig. Zum einen ist es spannend, zum anderen wirft es hochinteressante Fragen auf.
Das Buch ist ein Jugendbuch und leider lässt das etwas verkitschte Cover einen lockerflockigen Mädchenroman erwarten. Ich hoffe nur, dass die Käuferinnen dann nicht enttäuscht sind. Das Buch ist nämlich etwas ganz anderes, aber sehr gut! Das wäre aus meiner Sicht auch eine großartige Schullektüre.

Wie gesagt habe ich diesen Monat so viel Gutes gelesen. Was mir auch gefallen hat, war My Life in France von Julia Child.
Das Buch erzählt die Geschichte von Julia Childs Leben. Julia Child ist eine berühmte amerikanische Kochbuchautorin. Nach dem zweiten Weltkrieg zog sie mit ihrem Mann Paul nach Paris. Das Buch erzählt von einem längst vergangenen Paris. Vor allem aber beschreibt es Julia Childs Hingabe an das Französische Kochen. Nachdem sie ihrer Berufung recht spät im Leben begegnet ist, wird sie eine hingebungsvolle Köchin. Was mich am meisten beeindruckte: Die lange, lange Zeit, in der sie an ihrem Buch arbeitete, das einfache Vertrauen, dass das, was sie tut, gut ist, die Hingabe, mit der sie Rezept für Rezept, Jahr für Jahr schreibt . Auch bewundere ich die Inspiration, die Julia Child ihr ganzes Leben lang gehabt zu haben scheint. Meiner Meinung nach kann sie wirklich ein ideales Vorbild sein: Sie ist äußerlich überhaupt kein Modell, eher groß und plump, aber immer selbstbewusst, weil es ihre gute Laune und Energie sind, die zählen. Sie hält an ihrem Traum fest, nimmt sie das Leben, wie es kommt, sie ist liebevoll, leidenschaftlich, genießt das Leben . Diese Gaben sind heute selten, wo niemand es wagt, eine zweite Portion von etwas zu nehmen.
Das Buch ist lustig und inspirierend. Und es ist auch recht informativ über die Zeitgeschichte, McCarthy und so weiter. Ich mag auch die Fotos.

Oh, jetzt habe ich gerade gesehen, dass es das nur in Englisch gibt. Jetzt komme ich allerdings nicht mehr dazu, noch weitere Bücher vorzustellen, weil ich die Kleine von der Ministrantenstunde holen muss, bin eh schon wieder spät dran.
Wenn ich allerdings weiterhin so strickfaul bin, wird es noch mehr Buchtipps geben. Dann schaue ich vorher, ob die Deutsch oder Englisch sind.




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