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Was für ein wunderschöner März

Geschrieben von Wassilissa, 26 März 2012 · 590 Aufrufe

Lesen
Das schöne Wetter der letzten Woche(n) macht einen wirklich froh, wie ich finde.
Gestern waren wir lange spazieren mit Freunden im wunderschönen Girnitztal.
Unsere Töchter hatten ein Gastspiel ihres Musicals in einem weiter entfernten Ort, der Sohn weilt im Schüleraustausch, so dass wir ganz alleine waren. Und da wir zum Anschauen des Musicals eh dorthin fahren mussten, trafen wir uns auf halber Strecke mit Freunden und gingen ausgiebig spazieren. Später gabs noch einen richtigen Kuchen auf einem Bauernmarkt, nicht so neumodische Tartes oder so, sondern dicke fette Sahnetorten, allerdings war die Schwarzwälder mit laktosefreier Sahne. Auch in der Oberpfalz gibts Allergiker.
Überall spitzen Blumen raus, der Frühling bricht mit Kraft durch.
Eingefügtes Bild
Im Auto kam ich auch zum Stricken, meine Stino-Socken wachsen.

Ich wollte noch Buchtipps nachliefern, denn der März war ein toller Lesemonat.
Vielleicht noch vier Märztipps, zwei leichte und zwei schwere:
Leichte Kost:
"Jesus liebt mich" von David Safier hat mir wider Erwarten gut gefallen. "Mieses Karma" mochte ich nicht so.
Jesus kommt auf die Erde zurück und trifft auf Marie, die gerade ihrem Verlobtem am Altar ein "Nein"-Wort gegeben hat und sich nun in ihrem alten Kinderzimmer verkriecht.
Ich finde das Buch sehr, sehr lustig. Ich musste mehrmals laut auflachen, was will man mehr! Ich werde mir auf jeden Fall das Hörbuch für Urlaubsreisen besorgen, das könnte meiner ganzen Familie gefallen.
Natürlich ist es streng genommen etwas unausgegorgen. Es entspricht auch nicht meinem Gottesbild (Satan? Die apokalyptischen Reiter?). Viele Figuren (Gabriel...) sind nicht gut gezeichnet. Aber es ist trotzdem witzig, man kann auch ein bisschen nachdenken, eine gelungene Feierabendlektüre. Mir hats gefallen.

"Schneewittchen muss sterben" von Nele Neuhaus.
Das ist jetzt eigentlich der erste Neuhaus-Krimi, der mir fast vorbehaltlos gefallen hat.
Der in einem Indizienprozess wegen Mordes verurteilte Tobias Sartorius kommt nach zehn Jahren wieder frei und kehrt in sein Heimatdorf zurück. Schnell beginnt eine Hexenjagd auf den jungen Mann, desen Familie wie auch er selbst durch die Verurteilung ihrer Existenz und Zukunft beraubt wurden.
Doch nun tauchen neue Indizien auf, die Leichen der Mädchen werden gefunden, ein autistischer Junge beginnt, sich zu erinnern. Pia Kirchhoff rollt den Fall nochmals auf und entdeckt Abgründe.
Ich lese die Krimis von Nele Neuhaus recht gern. Sie sind spannend und menschlich. Sie machen auch nicht den Fehler vieler Regionalkrimis, komplett auf die Figuren der verschrobenen Kommissare abzuheben. In diesem Buch gelingt es der Autorin sehr gut, die menschlichen Tragödien darzustellen, in die die Familien von Tätern und Opfern geraten, die lebenszerstörende Wirkung von Gewalt, von Schweigen, weit über das konkrete Verbrechen hinaus. Diese Darstellung finde ich das beste an diesem Buch, doch auch die Charaktere sind gut und einprägsam gezeichnet. Die anderen Aspekte, die Verstrickung von Politprominenz usw. sind auch ganz gelungen, machen aber aus meiner Sicht nicht den Reiz des Buches aus.
Ich habe leider die Bücher völlig durcheinander gelesen, so dass ich was Bodenstein und seine Frau betrifft nie so ganz auf dem Laufenden bin, was da jetzt gerade los ist.
Jedenfalls hat mir dieses Buch von den Kirchhoff-Bodenstein-Krimis bisher am besten gefallen.

Schwerere Kost:
"Erfolg" von Lion Feuchtwanger ist wirklich ein sehr dicker Wälzer.
Aber absolut lohnenswert!
Bereits 1930 veröffentlicht Feuchtwanger diesen kritischen und hellsichtigen Roman über die politischen Veränderungen der frühen 1920er Jahre.
Wenn man ihn heute liest - wissend, was dann noch geschah- ist man überrascht und beeindruckt, wie deutlich und klar und gleichzeitig kunstvoll Feuchtwanger dieses Geschehen aufzeichnet.
Es geht um den zu Unrecht verurteilten Museumsdirektor Krüger. Seine Freundin Johanna Krain versucht, seinen Freispruch zu erwirken. An dieser Geschichte aufgehängt wird eine ausführliche Darstellung der politischen Vorgehensweisen jener Zeit, der Willkür und Macht, des Anbiederns und Übergleitens des Konservativen ins Nationalsozialistische.
Das Buch ist für heutige Lesegewohnheiten vielleicht etwas zu langatmig, aber durch diese langsame, genaue Erzählweise gelingt es Feuchtwanger den Aufstieg der Nationalsozialisten als etwas Schleichendes, langsames darzustellen, das plötzlich mit voller Brutalität da steht und keine oder nur wenig Gegenwehr vorfindet.
Das Buch ist ein Schlüsselroman und porträtiert Zeitgenossen. Auch Feuchtwanger selbst hat sich wohl in der Figur des Jacques Tüverlin dargestellt.

"Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky ist im Augenblick ein ziemlicher Bestseller, zu Recht, wie ich finde.
Die Autorin beschreibt in diesem Alter drei Unterrichtstage im Leben einer Biologielehrerin aus Mecklenburg-Vorpommern.
Die Lehrerin beobachtet streng und ist in ihrer Genauigkeit verstörend witzig. Zum Beispiel:
"Ganz vorn hockte ein verschrecktes Pfarrerskind, das mit Holzengeln, Wachsflecken und Blockflötenunterricht aufgewachsen war. In der letzten Reihe saßen zwei aufgedonnerte Gören. Die eine kaute Kaugummi, die andere war besessen von ihrem schwarzen Hengsthaar, das sie pausenlos glättete und strähnchenweise untersuchte. Daneben ein hellblonder Knirps in Grundschulgröße. Ein Trauerspiel, wie die Natur hier die ungleiche Entwicklung der Geschlechter vorführte."
In ihrer nahezu zynischen distanzierten Art schützt sich die Lehrerin einerseits, ist aber andererseits unfähig dazu, Beziehungen zuzulassen oder Gnade vor dem Recht des Stärkerern ergehen zu lassen. Dies ist fast unerträglich.
In einer besonders bedrückenden Szene heißt es. "Niemand ging zu ihr. Niemand tröstete sie. Auch sie nicht. Es ging nicht. Vor der ganzen Klasse. Nicht möglich. Sie waren in der Schule. Es war Unterricht. Sie war Frau Lohmark."
Doch die von Frau Lohmark so hoch gehaltene Anpassung an den Lebensraum, eben den "Hals der Giraffe", kann sie selbst nicht vollziehen. Das Nachwende-Ostdeutschland, die Schule, die aufgrund von Kindermangel schließen muss, die neue Situation, die anderen Werte, diesen Lebensraum erobert sie sich nicht, während ihr Mann mit seiner Straußenfarm schon längst angekommen scheint und die aus dem ganz anderen Lebensraum verpflanzten Strauße ebenso.
Das Buch ist perfekt durchkomponiert, wunderschön gestaltet mit herrlichen Zeichnungen der Autorin. An diesen wunderbaren Bildern wird durchaus deutlich, dass die Biologie große die Schönheit besitzt. Für die Lehrerin ist sie der Menschlichkeit überlegen, doch man wünscht sich beim Lesen, sehr,.dass es für Frau Lohmark anders wäre.
Ein sehr gutes und ungewöhnliches Buch!

Und noch ein letztes Wort:
Wibke Bruhns hat ein neues Buch veröffentlicht, "Nachrichtenzeit". Ich glaube, das könnte sich lohnen. Zufällig bin ich jetzt gleich zweimal mit ihr zusammengestossen. Ich las am Wochenende den wunderbaren Bildband "Mein Jerusalem" von ihr, schon uralt, aber hervorragend.
Und mein Mann hörte ein langes Gespräch mit ihr im Radio, von dem er begeistert berichtete.

Und ein allerletztes Wort:
Am Wochenende kam Martin Walsers "Ein fliehendes Pferd" im Fernsehen. Die Verfilmung fand ich gut, wenn auch das Ende, das ja anders ist als im Buch, im Buch aus meiner Sicht gelungener ist. Jedenfalls auch das ein Tipp. Von allen Walsers, die ich kenne, dasjenige, das sich am leichtesten lesen lässt und wirklich super ist, wie ich finde. Ich habe ihn erst vor kurzem live lesen hören und irgendwie, man kann von ihm halten, was man will, ist er doch eine wichtige Person in Deutschland.




die blauen blümchen sindja schön..... die kenn ich gar nicht, ich hab solche bei uns noch nie gesehen. weißt du wie die heißen?
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Liebe Gabi, das sind Leberblümchen. Die gibts bei uns im Wald überall (kalkreicher Boden, Laubwald).
Liebe Grüße, Astrid
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